Simon Frank
Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management
Februar 2025|8 Minuten Lesezeit
Umwelttechnologien und -dienstleistungen dürften Investoren auch zukünftig attraktive Wachstumsperspektiven bieten, da sie unerlässlich sein werden, um die gesteckten globalen Klima- und Umweltziele zu erreichen. Insbesondere nicht-börsennotierte, private Unternehmen dürften in diesem Segment besonders profitieren.
Der Kampf gegen den Klimawandel gewinnt bei Regierungen und Verbrauchern immer mehr an Bedeutung. Inzwischen haben sich weltweit Staaten, die für insgesamt 92% des weltweiten BIPs verantwortlich sind, zu Netto-Null-Zielen verpflichtet, also der Transformation ihrer Volkswirtschaften zur Kohlenstoffneutralität. Diese Verpflichtungen können jedoch nicht allein durch Verhaltensänderungen erfüllt werden. Vieles wird auch vom Einsatz bestehender und neu entwickelter Technologien abhängen. Die große Herausforderung besteht aktuell vor allem darin, diese Technologien weltweit schnell und mit breiter Reichweite auszurollen. Die aktuelle Marktdurchdringung bei verschiedenen sauberen Umwelttechnologien ist noch zu gering, um ausreichende positive Effekte verzeichnen zu können.
Derzeitige gegenüber erwartete Durchdringungsraten ausgewählter Umwelttechnologien
Es gibt aber auch Anlass zu Optimismus. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass der Großteil der Umwelttechnologien, die benötigt werden, um die globalen Netto-Null-Verpflichtungen bis 2030 zu erfüllen, bereits marktreif ist. Darüber hinaus wird prognostiziert, dass sich die Größe des Marktes für Umwelttechnologien von 4,9 Bio. US-Dollar im Jahr 2020 auf 12,1 Bio. US-Dollar im Jahr 2030 mehr als verdoppeln wird.
Dass Grund für Optimismus besteht, hat bereits die Geschichte gezeigt: vor 40 Jahren bereitete das Ozonloch der Menschheit überall auf der Welt große Sorgen. Das daraus entstandene Engagement führte 1989 zum „Montreal-Protokoll“ über den schrittweisen Ausstieg aus ozonschädigenden Stoffen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und dann 1997 zu dem noch breiter gefassten „Kyoto-Protokoll“. Unternehmen entwickelten mit der Hilfe von Investoren eine Vielzahl von Alternativen zu FCKW. Nachfolgend verringerten sich die Emissionen von FCKWs weltweit dramatisch, so dass der Ozongehalt der Stratosphäre heute wieder so niedrig, dass dies eine der wenigen der neun Planetaren Belastungsgrenzen ist, die die Menschheit noch nicht überschritten hat. Ein damals kaum vorstellbarer Erfolg.
Damit diese Umwelttechnologien jedoch ihr volles Potenzial auch zukünftig entfalten können, sind noch erhebliche Investitionen weltweit notwendig. Die Climate Policy Initiative hat errechnet, dass die Finanzierungen von Klima- und Umweltprojekten um mindestens 590% steigen müssen, um die gesteckten globalen Klimaziele bis 2030 zu erreichen.
Quelle: Global Landscape of Climate Finance 2021 und Climate Policy Initiative 2021.
Das ist ein anspruchsvolles Ziel, stellt aber eine potenziell lohnende Gelegenheit für Investoren dar.
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Reduzierung von Treibhausgasen
Nachhaltiger
Konsum
Schadstoffkontrolle
Kreislaufwirtschaft
Schlüsseltechnologien
Abb. 3 : Das breitgefächerte Anlageuniversum bietet vielfältige Möglichkeiten, attraktive Co-Investment-Anlagen zu identifizieren und zu selektieren.
Quelle: Pictet Alternative Advisors, 2024.
Diese Lösungen stoßen bei den Investoren bereits auf großes Interesse und wir sind überzeugt, dass die Anlagemöglichkeiten auf den privaten Märkten besonders interessant sind, nicht zuletzt, weil private Unternehmen bei diesen Technologien oftmals eine Vorreiterrolle haben. Weltweit hat sich die Zahl der privaten Umweltunternehmen mit einer Bewertung von mehr als 1 Mrd. US-Dollar (sogenannte „Einhörner“) seit 2017 etwa um das 14-fache erhöht. Im Vergleich dazu hat sich die Zahl der nicht-börsennotierten „Einhörner“ insgesamt im gleichen Zeitraum „nur“ in etwa vervierfacht.
Ein derartiger Anstieg ist nicht überraschend, da private Unternehmen in vielen Bereichen innovativer Umwelttechnologien eine Führungsrolle übernehmen. So wurde beispielsweise im Mai 2024 von einem europäischen Privatunternehmen der Effizienzrekord für die Umwandlung von Sonnenstrahlen in Elektrizität mit einem handelsüblichen Solarmodul aufgestellt. Zu den privaten Unternehmen gehören auch einige der größten Akteure in der Elektrofahrzeug-Wertschöpfungskette sowie führende Unternehmen im Bereich des Recyclings von Lithium-Ionen-Batterien. Investoren, die sich an innovativen Unternehmen in diesen aussichtsreichen Sektoren beteiligt haben, konnten somit attraktive Renditen erzielen.
Insgesamt sind wir der Meinung, dass Private Equity Anlagen in Umwelttechnologien auch zukünftig eine attraktive, wachstumsstarke und opportunistische Ergänzung zu einem diversifizierten Portfolio darstellen sollten.
Indem Anleger technologische Innovationen im Privatsektor finanzieren, tragen sie wesentlich dazu bei, die Weltwirtschaft auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen und Teil der Lösung unserer vielfältigen Umweltherausforderungen zu sein, während sie gleichzeitig langfristig attraktive Anlagerenditen erwarten können.
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